Sonntag, 9. März 2014

"Manchmal muss man Leute vor vollendete Tatsachen stellen"

Normalerweise kenne ich die Menschen, mit denen ich Interviews führe, nur flüchtig oder lerne sie erst im Gespräch kennen. In diesem Fall war es anders. Björn Adrian und ich arbeiten seit fünf Jahren zusammen, verbringen die Tage im gleichen Büro. Er kann mir Ärger anmerken, auch wenn ich es mit einem neutralen Gesicht versuche, und auch ich sehe bei ihm die Spuren vom Karneval in Köln - da gehört allerdings nicht viel dazu ;)

Der Grund für das Kollegen-Interview: Björn war als Senior Produktmanager Digitale Medien bei der Neuen Mediengesellschaft Ulm für den Relaunch der Webseite der INTERNET WORLD Business verantwortlich. Der ideale Gesprächspartner für einen Blick hinter die Kulissen, wie ich ihn mir auch in anderen Medien oft erhoffe. Wir haben uns also während der größten Hektik in einen Konferenzraum gesetzt - und ein bisschen so getan, als kennen wir uns nicht besonders gut, aber auch nur ein bisschen. Zu sagen, Björn sei gut vorbereitet gewesen, ist völlig untertrieben: Er hatten fünf Seiten Text dabei, alles wichtige Sachen, die er nicht zu sagen vergessen wollte. Aber auch ich hatte anschließend ziemlich viel notiert.

Eine offizielle Version des Interviews ist unter dem Titel "Die Vorbereitung war sehr intensiv" kurz nach dem Relaunch online gegangen. Sie gefällt mir, zeigt aber nicht den lockeren Umgangston, der wir durch die jahrelange Zusammenarbeit haben. Eine inoffizielle folgt hier:




Jetzt aber schnell: Selfie im Konferenzraum


Wann habt Ihr mit dem Relaunch angefangen?
Björn: Richtig angefangen? Das war im Mai 2013.

Neun Monate sind keine lange Zeit.
Björn: Das spricht für uns.

Stimmt. Was war das Ziel des Relaunches? Neuer, schöner, besser?
Björn: Schöner zu werden, ist nicht schwer, wenn eine Webseite wie die der INTERNET WORLD Business fünf Jahre alt ist. In erster Linie wollten wir die Elemente, die die Seite bietet, in den Vordergrund rücken.

Wie habt Ihr das gemacht?
Björn: Wir wollten die Artikel durch eine neue Bildsprache besser herausbringen und dabei wegkommen von der klassischen Ansicht aus Dachzeile, Titel, Teaser. In der neuen Version legt sich der Teaser über das Bild, das schafft eine ganz andere Optik. Zudem sind die News über die Sidebar immer erreichbar, egal wo auf der Seite sich der Nutzer gerade befindet.

Wie sieht denn die Navigation aus?
Björn: Navigation, das Wort muss man bei der neuen Webseite der INTERNET WORLD Business schon fast in Anführungszeichen setzen, denn diese beschränkt sich auf die fünf Hauptbereiche der Seite, plus eine Handvoll anderer wichtiger Themen. Wichtig: Die Navigation ist „sticky“, bleibt also immer im sichtbaren Bereich des Bildschirms – ebenso wie der Medium Rectangle rechts oben. Das ist für die mobile Nutzung entscheidend, ebenso wie der eigene Scroll-Balken der Sidebar, die sich damit unabhängig vom Content-Bereich bewegen lässt. Zudem haben wir Autorenseiten eingeführt.

Um die Eitelkeit der Autoren zu bedienen?
Björn (lacht:) Auch. In erster Linie bedienen wir damit aber Google – und befriedigen die Neugierde der Leser, die wissen möchten, wer hinter einem bestimmten Artikel steckt. Das stärkt die Interaktion zwischen Redaktion und Nutzern.

Neu ist auch das Logo…
Björn: Das neue Logo der INTERNET WORLD Business nähert sich an das der Internet World Messe an – schließlich sind beides erfolgreiche Marken, die voneinander profitieren können. Damit haben wir zum ersten Mal einen einheitlichen visuellen Auftritt.

Nicht nur im sichtbaren Bereich, auch im Backend ist alles neu.
Björn: Wir haben die INTERNET WORLD Business auf Interred als Redaktionssystem umgestellt, das die Neue Mediengesellschaft Ulm seit April 2013 bei der com! Online einsetzt. Das CMS ermöglicht die Plattform-unabhängige Veröffentlichung von Inhalten – jeder Text, jedes Bild kann im Netz, mobil, in Apps und als Print-Objekt erscheinen. Und zwar redaktionsübergreifend. Dazu passt auch, dass die Online-Redaktionen der Neuen Mediengesellschaft – die der INTERNET WORLD Business, der com! und der Telecom Handel -  jetzt auch in einem Raum sitzen, zusammen mit Print-Redaktion.

Wie groß ist das Relaunch-Team?
Björn: Der harte Kern waren vier Personen: Marco Parrillo, Ingo Steiner aus der Software-Entwicklung, mein Kollege Patrick Schmitt aus dem Produktmanagement und ich. Wenn ich jedoch alle berücksichtige, die intern und extern in irgendeiner Weise am Relaunch mitgearbeitet haben, komme ich auf fast 20 Personen.

Was ist ganz anders gelaufen als geplant?
Björn: Nichts. Alles war wie geplant.

Du gibst an.
Björn: Nein. Natürlich gab es Probleme und wird auch nach dem Launch noch welche geben – aber es war nichts Überraschendes dabei.

Wie kann das sein?
Björn: Unsere Vorbereitung war sehr intensiv. Wir hatten die Struktur klar im Kopf und haben auf Basis der ersten Beschriebe die grafischen Entwürfe machen lassen – und an die wiederum dann die Beschriebe angepasst. Diese haben wir Woche für Woche an die Entwickler gegeben.

Wer hat die Entwicklung und die Grafik übernommen?
Björn: Die Entwicklung kam von digitalmobil, ebenfalls ein Unternehmen der Neuen Mediengesellschaft Ulm, das im gleichen Haus sitzt wie wir. Die Grafik ist unter der Leitung von Art Directorin Maria-Luise Sailer ebenfalls intern entstanden.

Was ist der größte Fehler, dem man bei einem Relaunch machen kann?
Björn: Zu viele Köche den Brei verderben lassen. Natürlich muss man versuchen, alle Parteien einzubinden. Aber manchmal muss man die Leute vor vollendete Tatsachen stellen. Nur so funktioniert‘s.

Hast du dir dabei Feinde gemacht?
Björn: Ich glaube nicht. Da hab ich schon genug Fingerspitzengefühl.

Sehe ich auch so. Wenn das alles so toll gelaufen ist: Was kommt als nächstes?
Björn: Ganz weit oben auf unserer Liste steht eine für Smartphones optimierte Webseite, denn auf Tablets sieht unsere neue Seite auch schon klasse aus und der Newsletter ist ja schon seit Mai 2013 an mobile Endgeräte angepasst. Zudem wollen wir einen geschlossenen Bereich einführen, eine Community, über die auch Abos und Event-Tickets verkauft werden können. Und einen Veranstaltungskalender.

Das war’s eigentlich. Moment, eins noch: Wie viel Stunden hast du die Nacht vor dem Relaunch geschlafen?
Björn: Sieben Stunden.

Das geht.
Björn: Finde ich auch.

Sonntag, 2. März 2014

Mehr Experiemente wagen

Jochen Wegner, Tanja Gabler, Stefan Plöchinger, Moderatorin Su Steiger. Foto: Simone Naumann 


"Wir müssen viel mehr ausprobieren." Dieser Satz ist mein Fazit von der Podiumsdiskussion zum Thema "Content im Web - wer soll das bezahlen", zu der die Digital Media Women am 19. Februar 2014 in der BAW in München eingeladen haben. Ich glaube Stefan Plöchinger von Süddeutsche.de hat ihn gesagt, aber er hätte auch von Jochen Wegner, Zeit Online, oder mir sein können.

Journalismus im Netz muss kostenpflichtig werden - nicht überall, nicht alles, aber zumindest Teile. Sonst werden auf Dauer nur Portale überleben, deren Zielgruppe so begehrt und solvent ist, dass sich das Angebot über hohe Werbe-TKPs finanzieren sind. Also Fachmedien aus und für Branchen, denen es wirtschaftlich gut geht.

Klar ist auch, dass die Leser nicht für alles zu zahlen bereit sein werden. Allgemeine Nachrichten hinter einer Paywall, das wird nicht funktionieren, denn diese gibt es im Radio, Fernsehen und sogar auf den Info-Leinwänden gratis. Das kann man bedauern, wenn man Verleger ist. Oder sich darüber freuen, dass sich jeder über das Weltgeschehen kostenlos informieren kann.

Wie es gelingen kann, aus dem User einen zahlenden Leser zu machen - die)se Frage treibt alle Verlage um, mit Ausnahme des Wort und Bild Verlags, der die Apotheken-Rundschau herausgibt. Bis Ende 2013 wollten Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung und das Handelsblatt Bezahlmodelle einführen. Noch ist nichts passiert.

Wir müssen also alle viel ausprobieren. Nicht warten, bis das ideale Modell entwickelt ist, oder der Leser sich ändert, sondern einfach mal machen. Schließlich ist die Schnelligkeit und Flexibilität ein großer Vorteil der Internetmedien.

Golem.de fängt schon einmal an und wird in den kommenden Wochen seinen Nutzern eine werbe- und trackingfreie Version gegen Bezahlung anbieten. Ich bin gespannt, wie diese Idee angenommen wird. Und wann sich der nächste Verlag aus der Deckung wagt - und mit welchem Modell.

(Von der Podiumsdiskussion und dem Widerhall auf Twitter sehr lesenswert berichtet haben - neben den Digital Media Women selbst - Su Steiger, Sascha Walk und Romy Fuchs. Besonders spannend: Der Beitrag von Sissi Pitzer für B5 aktuell, Thema beginnt bei 16:20 Minuten. Zudem gibt es noch eine Tag-Cloud von dem Abend.)


Sonntag, 16. Februar 2014

Paid Content - warum die Lage gar nicht so schlecht ist

Su Steiger von den Digital Media Women hat mich eingeladen, am kommenden Mittwoch mit Katharina Borchert von Spiegel Online, Stefan Plöchinger von Süddeutsche.de und Jochen Wegner von der Zeit Online über Paid Content zu diskutieren. Gemeint sind mit dem Begriff nicht etwa Artikel, für deren Veröffentlichung eine Firma zahlt - früher "Schleichwerbung" genannt, heute "Native Advertising"- sondern journalistische Angebote, für die der Leser zahlt.

Der Bitkom hat im Januar (repräsentativ) nachgefragt: Jeder vierte Internetnutzer gibt bereits jetzt für journalistische Angebote im Netz Geld aus. 17 Prozent zahlen für einzelne Artikel, ebenfalls 17 Prozent pauschal für Online-Abos. Und offensichtlich eine große Schnittmenge tut beides, denn sonst lägen wir bei 34 Prozent zahlender Nutzer. Und wie viel wird ausgegeben? 13,60 Euro im Monat. Nicht viel, aber dennoch mehr als der Betrag, den ich im gleichen Zeitraum für gedruckte Medien ausgebe. Gar nicht so schlecht. Was noch wichtiger ist: Ein Drittel der Nicht-Zahler ist grundsätzlich bereit, für Journalismus im Netz zu zahlen.

Bleibt noch der Rest, also die knappe Hälfte (46 Prozent) der Internetnutzer, die eine Bezahlung grundsätzlich ablehnt. Zwei Drittel halten die bereits gratis vorhandenen Angebote für ausreichend, 44 Prozent finden, die Qualität des Journalismus im Netz rechtfertige keine Bezahlung, 34 Prozent sind die Preise für Bezahlangebote zu hoch, 32 Prozent halten die Bezahlung für zu kompliziert.

Wie stichhaltig sind diese Gründe?

1. Qualität der Online-Medien rechtfertigt keine Bezahlung

Ja, das ist in manchen Fällen so. Ist aber auch ein Henne-Ei-Problem. Wenn ich mit einem Produkt gut Geld verdiene, kann ich auch dessen Qualität steigern. Solange ich das aber nicht glaube, werde ich in diesen Bereich nur wenig investieren. Hier sind die Verlage gefragt, den Online-Redaktion die Mittel zu geben, um auch gute Qualität leisten zu können - und diese gleichzeitig zu angemessenen Preisen anzubieten.

2. Zu hohe Preise

Ich hab mal versucht herauszufinden, was die Online-Ausgaben großer Medien im Vergleich zu den Druckversionen kosten. Gar nicht so einfach, mit all den Prämien und Goodies und damit ohne Gewähr:

  •  Wochentitel:
    Der Spiegel kostet im Abo pro Heft 4,20 Euro, als E-Paper 3,98 Euro. Die Zeit kostet im Abo pro Ausgabe 3,99, digital 3,49 Euro. Der Focus macht gar keine Unterschiede zwischen Print und Digital. Alle drei Angebote sind unakzeptabel, finde ich, wenn man bedenkt, welchen Anteil Druck- und Vertrieb an den Kosten haben.
  •  Tageszeitungen:
    Die FAZ kostet als Kombi mit der Sonntagszeitung ca. 40 Euro digital gegenüber 56,90 Euro gedruckt.
    Lediglich bei der Süddeutschen ist der Unterschied deutlich - und spiegelt in etwa unterschiedlichen Herstellungskosten wider: 29,90 Euro fürs Digitalabo gegenüber 49,90 für die Print-Ausgabe. Ein ähnliches Verhältnis, allerdings mit gestaffelten Preisen, hat die taz.

3. Zu komplizierte Bezahlung

Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Außer jemand besitzt keine Kreditkarte und keinen Paypal-Account. Aber dann kauft er auch sonst nicht viel online. Also als Ausrede entlarvt.

Und nun zum Hauptargument:

4. Gratis-Angebote reichen aus

Das stimmt für alle, deren Informationsbedürfnis sich auf allgemeine Nachrichten beschränkt. Das gilt aber nicht nur für online, sondern für alle Print-Medien - zumindest seit Erfindung des Radios. Wer nur schnell wissen will, was in der Welt passiert ist, dem reichen die TV- und Radio-News, die ja ebenfalls keine Extra-Bezahlung erfordern.

Fest steht: Je schlechter es den Printmedien geht, umso eher werden deren Online-Ableger gezwungen sein, profitabel zu wirtschaften. Und damit auch bei der Vermarktung neue Wege zu gehen, ausgetretene Pfade zu verlassen und endlich die Chancen zu erkunden, die es nur Online gibt. Wie etwa die Möglichkeit, sich ein Digitalabo aus einzelnen Ressorts zusammenzustellen - also zum Beispiel Politik, Panorama, Lokalem und Sport. Und ja - vielleicht hat das Feuilleton dann harte Zeiten vor sich, aber dann muss es einfach entsprechend verkleinert werden oder eben so gut sein, dass dessen Leser dafür mehr zu zahlen bereits sind als für den Regionalteil. Die Bereiche, die nur als Mantel für die Kleinanzeigen dienen wie Karriere, Autos und Immobilien gibt's dann halt bei Verlangen gratis obendrauf.

Noch ist bei den Verlagen die Angst zu groß, mit einem solchen Angebot das bisherige Print-Geschäftsmodell zu gefährden. Ich bin gespannt, wer sich als Erster traut.

Die Diskussion findet am 19. Februar ab 19 Uhr im Atrium der BAW statt, Orleansstr. 34, 81667 München. Bitte kostenlos anmelden.

P.S. Auf welche Modelle die Zeitungen setzen, die bereits Bezahlschranken eingeführt haben, und welchen Erfolg Axel Springer mit Paid Content hat - damit setze ich mich in Kürze auseinander. In diesem Sinne: Fortsetzung folgt.


Mittwoch, 29. Januar 2014

"Keine Werbung, keine Games, kein Firlefanz"

Januar ist ja immer hart. Die Feiertage sind rum und der Winter kommt noch. Ein Lichtblick ist immer die DLD Conference. Hubert Burda unter Freunden. Und Digital. Aber nicht nur, sondern auch Kunst und Liebe und was sonst noch wichtig ist. Drei Tage ist München der Nabel der digitalen Welt, bevor die wichtigen Referenten nach Davos zum Weltwirtschaftsforum fahren und in München die Militärs übernehmen und die "Sicherheitskonferenz" abhalten, die früher ganz unverkünstelt "Wehrkundetagung" hieß.

Der Star des Kongresses war für mich in diesem Jahr Jan Koum von WhatsApp, der sich nur selten auf Branchenevents blicken lässt. An seinem Schreibtisch im Silicon Valley klebt ein Post-it: "Keine Werbung, keine Games, kein Firlefanz". Und so hat es der Mitgründer und CEO des Messaging-Diensts  bisher gehalten. "Anzeigen passen nicht zu uns", erklärte er. Über die Rentabilität will sich Koum, der nur 25 Entwickler beschäftigt, frühestens in vier Jahren Gedanken machen, und auch Übernahmeangebote lehnt er ab: "Alle großen Internetfirmen haben gemeinsam, dass sie unabhängig geblieben sind. WhatsApp soll auch in 50 Jahren noch existieren." Die Chancen stehen nicht schlecht: Weltweit nutzen inzwischen 430 Millionen Menschen monatlich den Dienst, obwohl die App kostenpflichtig ist.

Erfrischend offen gab sich auch Cory Ondrejka, der bei Facebook für die mobile Entwicklung verantwortlich ist. "Vor zwei Jahren war die mobile Version von Facebook prima. Sie hatte nur drei Probleme: Sie war langsam, stürzte oft ab und die Nutzer hassten sie." Seitdem ist natürlich alles besser geworden und das soziale Netzwerk hat das Thema Mobile derart verinnerlicht, dass dafür kein eigenes Team mehr nötig ist.  

Die Weltherrschaft erobern möchte hingegen Tony Fadell von Nest - und zwar mit Thermostaten und Rauchmeldern. Naja, wenn man sein Unternehmen gerade für 3,2 Milliarden US-Dollar an Google verkauft hat, kann einem das schon zu Kopf steigen. Wobei ich glaube, dass der schon immer in anderen Dimensionen dachte - schließlich hat er bei Apple mit Steve Jobs zusammengearbeitet.

Das Besondere an der DLD Conference ist, dass es auch, aber nicht nur ums Business geht: Arianna Huffington, die Gründerin der Huffington Post, sprach mit dem Bestseller-Auto Paulo Coelho über Achtsamkeit - irgendwie ein Thema, was nicht ganz zu ihr zu passen scheint, aber sie meditiert auch. Und zeigt sich von ihrer nettesten Seite, wenn man sie - wie ich und Janneke Niessen von Improve Digital - und ein Erinnerungsbild bittet.

Was mir unglaublich gut gefallen hat: Viele Frauen zu treffen, die einen spannenden Beruf und ein Leben mit Kinder kombinieren, ohne dass dabei jemand leiden muss. Nicht ihre Partner, nicht sie selbst, und auch nicht die Kinder.

Freitag, 12. April 2013

Ich schicke dir die Verbannung auf mein Foto

Lange nicht gebloggt. Mit anderem, Schönem beschäftigt gewesen. Seit Januar wieder am Schreibtisch zurück und heute die romantischste Spam-Mail seit langem erhalten.

Hallo, mein lang erwarteter Freund! Wie geht es?
Sie sind wahrscheinlich erschuttert und fragen sich wo ich Ihre E-Mail-Adresse bekommen habe? OK, ich mache eine Erklarung. Ihre E-Mail-Adresse habe ich durch eine Ehevermittlung gekriegt. Ich habe mich an Heiratsvermittlung gewendet um einen Mann durch Weltnetz kennenzulernen. Ich mache mit einem Mann zum ersten Mal durch Internet Bekanntschaft, deswegen habe ich mich an Heiratsvermittlung gewendet. Ich bin interessiert an ernsten Liebesbeziehungen, ich will es einfach nicht, meine Zeit auf Spiele zu vergeuden. Ich hoffe, dass Sie auch ernste Liebesbeziehungen bevorzugen und dass ich Ihre E-Mail-Adresse richtig aufgeschrieben habe, sodass meine Nachricht Sie erreicht.
Ein wenig uber mich:
Von dem Namen bin ich Elena. Ich wurde am 25. August 1983 geboren. Ich bin
168 cm hoch, mein Gewicht ist ca. 54 kg.
Wahrscheinlich wirst du dich uberraschen, wenn du erfahrst, dass ich nicht in deinem Land wohne. Ich komme aus Russland. Ich habe eine Hoffnung, du hast keine Angst davor. Ich bin ja dieselbe Lady, wessen Herz und Seele in unterschiedlichen Landern sich befinden.

Du kannst mein das Foto sehen, ich schicke dir die Verbannung auf mein das
Foto: (.exe-Datei entfernt)
Ich werde uber deiner auf die Antwort auf meinen mail warten: 
sindelnatalia@epktmail.com

Dies ist mein erster Probebrief an dich. Ich schicke dir mein Foto, damit du mich dir besser vorstellen kannst. Ich hoffe, dass mein Bild schon ist, und dass du keine Angst davor haben wirst, dass ich aus dem anderen Land komme. 
Ich warte ungeduldig auf deinen Brief.
Mit allerbesten Wunschen, Elena.

Ich bin gerührt. Und werde an meiner Antwort feilen.

Freitag, 20. Juli 2012

"Marken werden im Netz geprägt"





Auf der DLD Women Conference habe ich in der vergangenen Woche ein Interview mit Katharina Borchert geführt, der Geschäftsführerin von Spiegel Online. Ein Gespräch über die veränderte Rolle der Journalisten, Leserkommentare auf Facebook und die Herausforderung durch mobile Internetnutzung.

In der Diskussionsrunde mit Donata Hopfen von Bild Digital und Svetlana Mironyuk von RIA Novosti aus Russland hast Du gesagt, dass Spiegel Online ein breiteres Themenspektrum abdeckt als das Magazin. Das ist mir schon bei vielen Web-Ausgaben von Printmedien aufgefallen. Woran liegt das?

Katharina Borchert: Bei Spiegel Online ist das, wie bei vielen anderen auch, historisch gewachsen. In der frühen Internetphase waren es Ressorts wie Auto und Reise, in denen Anzeigen geschaltet wurden. Deshalb haben wir diese Themen aufgegriffen. Aber die inhaltliche Weiterentwicklung hat vor allem mit den Interessen unserer Nutzer zu tun. Wir haben zum Beispiel ein sehr starkes Wissenschaftsressort. Artikel aus der Wissenschaft sind fast täglich unter den zehn meistgelesenen. Dabei spielen auch Gesundheitsthemen eine große Rolle. Also haben wir uns in dem Bereich jetzt redaktionell deutlich verstärkt und ein eigenes Gesundheitsressort "ausgegründet".

Nach dem Motto „Online kann man's machen, der Auftritt im Web ist nicht so wichtig“?

Borchert: Dieses Motto galt bei uns noch nie. Wir sind uns der Erwartungen, die man an die Marke Spiegel knüpft, sehr bewusst. Es ist ja eher ungewöhnlich, dass ein Wochenmagazin Nachrichtenführer im Internet wird und nicht eine Tageszeitung. Unser Anspruch an journalistische Qualität steht immer an erster Stelle, weshalb wir auch immer stark in Personal investiert haben.

Es gibt immer noch Verlage, die auf eine eigene Onlineredaktion verzichten.

Borchert: Schlechten Journalismus im Netz kann sich kein Medium mehr leisten. Heute werden Marken im Netz geprägt. Es reicht schon lange nicht mehr aus, einfach nur Agenturmeldungen ins Web zu stellen. Spiegel Online hat – wie viele andere Internetauftritte auch – sehr stark von der Printmarke profitiert, aber inzwischen haben viele Menschen den ersten Kontakt mit der Marke übers Internet.

Viele Kollegen aus Print und TV, und nicht nur die älteren unter ihnen, fühlen sich vom Internet bedroht.

Borchert: Das kann ich verstehen. Das Web verändert die Arbeitsweise, das Selbstverständnis und die wirtschaftliche Grundlage der Journalisten. Der Druck steigt, die festen Stellen werden weniger und die Zeit der absoluten Wissenshoheit ist vorbei.

Du meinst die Zeit des Journalisten, der seinen Lesern die Welt erklärt?

Borchert: Genau. Heute muss ich mit Widerspruch leben und kann Kommentare nicht einfach in den Papierkorb werfen wie Leserbriefe. Früher haben sich die Menschen am Stammtisch in kleiner Runde über Artikel aufgeregt, heute veröffentlichen sie ihre Meinung auf Facebook und Twitter oder direkt in unseren Kommentaren und jeder kann sie lesen. Manchmal ist die Kritik berechtigt, dann kann ich als Journalistin vom Wissen der Leser profitieren. Das ist großartig. Leider sind jedoch viele Kommentare, gerade zu Meinungsartikeln, in einem Tonfall verfasst, der im echten Leben so garantiert nicht gegenüber der betreffenden Person geäußert werden würde. Damit umzugehen ist nicht einfach.

Wie setzt Ihr bei Spiegel Online Social Media ein?

Borchert: Wir haben ein eigenes Team aus Social-Media-Redakteuren. Das sind Kollegen, die einen redaktionellen Hintergrund und journalistische Erfahrung haben. Das ist uns wichtig. Wir wählen gezielt aus, was wir dort veröffentlichen, verlinken auch auf externe Quellen und diskutieren deren Inhalte. Wir experimentieren viel und lernen jeden Tag dazu.

Spielt Ihr Facebook und Twitter unterschiedlich?

Borchert: Definitiv. Facebook ist kommunikativer, interaktiver und ähnelt damit Google+. Es lebt von der Nutzerbeteiligung und ist auch ein bisschen "weicher". Dort wünschen wir unseren Lesern z.B. guten Morgen und gute Nacht. Twitter ist mehr ein Medium für die harten News, obwohl dort auch charmante Webfundstücke gepostet werden. Geschwindigkeit spielt auf Twitter eine viel größere Rolle als auf Facebook. Insgesamt ist Twitter rein journalistisch betrachtet das relevantere Medium. Ich persönlich bin ein großer Twitter-Fan.

Ein wichtiges Thema auf der DLD Women war auch Mobile.

Borchert: Mobile ist eine Herausforderung: ein großer Wachstumsmarkt, der derzeit noch schwer zu monetarisieren ist. Er verändert auch Nutzungsverhalten und -zeiten. Viele Menschen wollen jetzt schon früh morgens im Bett oder auf dem Weg zur Arbeit einen ersten Nachrichtenüberblick haben. Sie wollen noch schneller informiert sein, bei wichtigen politischen Ereignissen steht inzwischen ebenso wie beim Sport ein Liveticker im Fokus. Darauf müssen wir reagieren, das verändert auch unsere Arbeitsweise.

Im Internet ist viel in Bewegung. Wohin wird sich Deiner Meinung nach der Onlinejournalismus entwickeln?

Borchert: Die Geschwindigkeit wird weiter zunehmen und sich der Echtzeit nähern. Das finde ich gleichermaßen spannend wie schwierig, denn wir wollen unsere Fehlerquote möglichst niedrig halten. Vielleicht werden wir nicht bei allen Themen die Ersten sein, die damit rausgehen, weil wir jede Meldung gründlich verifizieren. Ich könnte mir jedoch vorstellen, eine Entwicklung vorab auf Twitter zu melden mit dem deutlichen Hinweis, dass wir gerade an der Überprüfung arbeiten. Das wird ja vielfach schon getan, aber wir diskutieren intensiv, wie wir langfristig damit umgehen.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Männer, wir brauchen Euch!



Ich bin ja immer hingerissen, wenn Politiker keinen Blödsinn reden. Die DLD-Veranstalter haben bei der Auswahl ihrer Sprecher aus diesem Feld immer eine derart glückliche Hand, dass ich meine Vorurteile fast vergesse - jedenfalls so lange, bis ich wenige Minuten später den Browser öffne oder am nächsten Morgen die Zeitung aufschlage. Heute hat auf der DLD Women die EU-Kommissarin Viviane Reding gesprochen. Hier meine Kurzversion ihrer Rede:


"Frauen haben Talent. 60 Prozent der Hochschulabsolventen sind weiblich. Dieses Potenzial liegt heute brach. Ist es normal, dass 98 Prozent der Vorstände Männer sind? Nein, es ist Diskriminierung.


Mehr Frauen im Management bringen auch die Unternehmen voran. Schließlich werden vier von fünf Kaufentscheidungen werden von Frauen getroffen. Und da geht es nicht nur um Schuhe, sondern auch um Autos. 

Frauen müssen zusammenhalten und Netzwerke bilden. Doch das reicht nicht. Wir brauchen auch die Unterstützung der Männer, denn wir brauchen ihre Stimmen. Im Herbst werde ich ein Gesetz für eine Frauenquote einbringen. Wenn jede von Euch zwei Männer überzeugt, werden wir es schaffen."

So, Männer. Jetzt seid Ihr dran. Wer meldet sich freiwillig?

(Foto: DLD)

Mittwoch, 11. Juli 2012

Von Bossen, Babys und dem Terroristen in der Tasche



Bisher hat sie mich nicht überzeugt. Bis... heute. Heute habe ich Ursula von der Leyen, Arbeitsministerin und CDU-Vorstandsmitglied live auf der DLDWoman sprechen hören. Eine beeindruckende Frau, die mit der Selbstsicherheit derer, denen vieles in die Wiege gelegt wurde, das Beste aus sich gemacht hat. Beeindruckende Präsenz. Große Gesten. Humorvoller Vortrag. Eine Frau, bei der sich das Zuhören lohnt. Ihr Thema: Die Zukunft der Arbeit. Dabei sieht sie drei Trends:

1. Flexibilität

Im Jahr 2020 wird die Arbeit flexibler sein - für von der Leyen eine gute Nachricht für jene Mitarbeiter, die Familie und Job kombinieren wollen. "Frauen wollen sich nicht länger zwischen Karriere und Kindern entscheiden müssen", so die Ministerin. "Wir wollen Bosse sein und Babys haben." Ich auf jeden Fall, und dem Applaus nach zu urteilen auch die meisten anderen DLD-Besucher, die nicht alle weiblich sind. Der Männeranteil auf dem DLDWoman entspricht ungefähr dem der Frauen auf anderen Konferenzen.

Nachteil der Flexibilität ist die ständige Verfügbarkeit. Von der Leyen: "Das Smartphone wird zum Terroristen in der Tasche." Das Abschalten sei notwendig. "Je steiler meine Karriere verlaufen ist, umso mehr genieße ich das Geschenk des Offline-Seins." Die Herausforderung bestehe darin, neue Technologie zu nutzen, ohne sich von ihr dominieren zu lassen.

2. Ergebnisorientierung

Die Zeit der Büropräsenz wird in Zukunft vorbei sein, glaubt die Politikerin. Projektarbeit ersetze oft Festanstellung. Statt Arbeitsstunden zählten Ergebnisse. "Doch das wird Jahre dauern und bis dahin brauchen wir eine Frauenquote." Applaus. Die Rückseite dieser Entwicklung sei eine drohende Isolierung und zunehmende Konkurrenz unter den Mitarbeitern. Ihr Rat: "Lasst uns hart arbeiten, aber lassen Sie sich nicht ausbeuten."

3. Neue Führung

Chefs brauchen neue Fähigkeiten, sie müssen motivieren und inspirieren, glaubt von der Leyen. "Und das ist unsere Stunde. Das können wir Frauen. Wenn wir flexibel sind und ausbalanciert bleiben, können wir die gläserne Decke durchbrechen. Und dann werden die Erwerbstätigen der Zukunft weiblich sein!"

Ob es dann einen DLDMen geben wird? Für Männer und andere Minderheiten?

Montag, 18. Juni 2012

Spaß und gute Gründe - über die Vorteile des Netzwerkens

Wie sehr wir Onliner in unserer eigenen Welt leben, merke ich immer dann, wenn ich mit Menschen übers Internet rede, die darin nicht so selbstverständlich zu Hause sind. Montag war wieder so ein Tag,  ich habe in einem Xing-Seminar übers Netzwerken gesprochen. Ein Aspekt: Warum sollte man überhaupt beruflich soziale Netzwerke nutzen?

Ich unterscheide zwischen aktivem und passivem Netzwerken. Mit passiv bezeichne ich die bloße Präsenz. Die Vorteile:

  • Wer mit einer digitalen Visitenkarte im Internet vertreten ist, kann selbst bestimmen, welche Informationen andere User über ihn erfahren.
  • Er bleibt über seine Kontakte informiert.
  • Da jeder sein Profil selbst aktualisiert, sind die Adressen und Positionen der Kontakte stets aktuell.
  • Durch die Infos von anderen ist es leicht, in beruflichen Fragen auf dem Laufenden zu bleiben.

Aktives Netzwerken ist der zweite Schritt. Dazu zählt:

  • Branchenkollegen über sich selbst, seine Position un Aktivitäten zu informieren.
  • Kontakt zu Menschen aufzunehmen, die man aus dem Berufsleben oder aus dem Netz kennt.
  • Durch die Veröffentlichung von Links zu Brancheninformationen oder spannenden (Fach-) Themen Expertise zu zeigen.

Ein weiterer Punkt, den ich vergessen habe: Man sollte netzwerken, weil es Spaß macht, sich mit anderen auszutauschen.

Klar ist jedoch aus: Netzwerken ist eine Unterstützung, keine Lösung für Probleme. Eine Karriere kann über Social Media gefördert, aber nicht aus dem Nichts geschaffen werden. Zwischenmenschliche Kontakte brauchen ihre Zeit - egal ob online oder offline.

Mehr dazu in dem Interview, das Angela Rittig von Xing mit mir geführt hat.



Donnerstag, 24. Mai 2012

Eine soziales Netzwerk für die letzten Wünsche

Einen Traum, den sie noch verwirklichen möchten - den haben viele Menschen. Klassiker sind das Verfassen eines Romans oder eine Weltreise. Viele dieser Träume scheitern am Geld. Andere daran, dass das Leben endlich ist oder der eigene Körper die Verwirklichung unmöglich macht. Und einige werden nur deshalb nicht Realität, weil ein Partner zur Umsetzung fehlt. Und hier kommt die App "My Last Wish" ins Spiel: ein soziales Netzwerk für Lebensträume. Mitglieder melden sich an, stellen ihren Wunsch ein und können so Gleichgesinnte finden. Oder wenigstens durch ein "Gefällt mir" Unterstützung bekommen - und damit vielleicht auch den Schwung, den eigenen Lebenstraum auch alleine zu verwirklichen.

Das Erfüllen von Lebensträumen hat jedoch auch Nebenwirkungen. Nicht nur für den Träumer, sondern auch für sein Umfeld. Wie bei Mister Roland, einem Deutschen, der auf der indonesischen Insel Lombok lebt, am Fuß des Vulkans Rinjani. Sein Traum war eine Weltumsegelung. Jahrelang hat er an seinem Boot gebaut, und als er fertig war, hatte seine Frau dann doch Bedenken, Deutschland, die Kinder und ihre Freunde hinter sich zu lassen. Roland brach alleine auf und traf schon in der Türkei Toni, die ihren Job kündigte und mit ihm fuhr. Bis Indonesien. Dort wurde sie auf einmal seekrank, sie kauften Land auf Lombok und er wurde wieder sesshaft. Das Verhältnis zu seinen Söhnen ist bis heute schwierig. Über das Verhältnis zu seiner früheren Frau hat er nichts gesagt.