Sonntag, 16. Februar 2014

"Manchmal muss man Leute vor vollendete Tatsachen stellen"

Normalerweise kenne ich die Menschen, mit denen ich Interviews führe, nur flüchtig oder lerne sie erst im Gespräch kennen. In diesem Fall war es anders. Björn Adrian und ich arbeiten seit fünf Jahren zusammen, verbringen die Tage im gleichen Büro. Er kann mir Ärger anmerken, auch wenn ich es mit einem neutralen Gesicht versuche, und auch ich sehe bei ihm die Spuren vom Karneval in Köln - da gehört allerdings nicht viel dazu ;)

Der Grund für das Kollegen-Interview: Björn war als Senior Produktmanager Digitale Medien bei der Neuen Mediengesellschaft Ulm für den Relaunch der Webseite der INTERNET WORLD Business verantwortlich. Der ideale Gesprächspartner für einen Blick hinter die Kulissen, wie ich ihn mir auch in anderen Medien oft erhoffe. Wir haben uns also während der größten Hektik in einen Konferenzraum gesetzt - und ein bisschen so getan, als kennen wir uns nicht besonders gut, aber auch nur ein bisschen. Zu sagen, Björn sei gut vorbereitet gewesen, ist völlig untertrieben: Er hatten fünf Seiten Text dabei, alles wichtige Sachen, die er nicht zu sagen vergessen wollte. Aber auch ich hatte anschließend ziemlich viel notiert.

Eine offizielle Version des Interviews ist unter dem Titel "Die Vorbereitung war sehr intensiv" kurz nach dem Relaunch online gegangen. Sie gefällt mir, zeigt aber nicht den lockeren Umgangston, der wir durch die jahrelange Zusammenarbeit haben. Eine inoffizielle folgt hier:




Jetzt aber schnell: Selfie im Konferenzraum


Wann habt Ihr mit dem Relaunch angefangen?
Björn: Richtig angefangen? Das war im Mai 2013.

Neun Monate sind keine lange Zeit.
Björn: Das spricht für uns.

Stimmt. Was war das Ziel des Relaunches? Neuer, schöner, besser?
Björn: Schöner zu werden, ist nicht schwer, wenn eine Webseite wie die der INTERNET WORLD Business fünf Jahre alt ist. In erster Linie wollten wir die Elemente, die die Seite bietet, in den Vordergrund rücken.

Wie habt Ihr das gemacht?
Björn: Wir wollten die Artikel durch eine neue Bildsprache besser herausbringen und dabei wegkommen von der klassischen Ansicht aus Dachzeile, Titel, Teaser. In der neuen Version legt sich der Teaser über das Bild, das schafft eine ganz andere Optik. Zudem sind die News über die Sidebar immer erreichbar, egal wo auf der Seite sich der Nutzer gerade befindet.

Wie sieht denn die Navigation aus?
Björn: Navigation, das Wort muss man bei der neuen Webseite der INTERNET WORLD Business schon fast in Anführungszeichen setzen, denn diese beschränkt sich auf die fünf Hauptbereiche der Seite, plus eine Handvoll anderer wichtiger Themen. Wichtig: Die Navigation ist „sticky“, bleibt also immer im sichtbaren Bereich des Bildschirms – ebenso wie der Medium Rectangle rechts oben. Das ist für die mobile Nutzung entscheidend, ebenso wie der eigene Scroll-Balken der Sidebar, die sich damit unabhängig vom Content-Bereich bewegen lässt. Zudem haben wir Autorenseiten eingeführt.

Um die Eitelkeit der Autoren zu bedienen?
Björn (lacht:) Auch. In erster Linie bedienen wir damit aber Google – und befriedigen die Neugierde der Leser, die wissen möchten, wer hinter einem bestimmten Artikel steckt. Das stärkt die Interaktion zwischen Redaktion und Nutzern.

Neu ist auch das Logo…
Björn: Das neue Logo der INTERNET WORLD Business nähert sich an das der Internet World Messe an – schließlich sind beides erfolgreiche Marken, die voneinander profitieren können. Damit haben wir zum ersten Mal einen einheitlichen visuellen Auftritt.

Nicht nur im sichtbaren Bereich, auch im Backend ist alles neu.
Björn: Wir haben die INTERNET WORLD Business auf Interred als Redaktionssystem umgestellt, das die Neue Mediengesellschaft Ulm seit April 2013 bei der com! Online einsetzt. Das CMS ermöglicht die Plattform-unabhängige Veröffentlichung von Inhalten – jeder Text, jedes Bild kann im Netz, mobil, in Apps und als Print-Objekt erscheinen. Und zwar redaktionsübergreifend. Dazu passt auch, dass die Online-Redaktionen der Neuen Mediengesellschaft – die der INTERNET WORLD Business, der com! und der Telecom Handel -  jetzt auch in einem Raum sitzen, zusammen mit Print-Redaktion.

Wie groß ist das Relaunch-Team?
Björn: Der harte Kern waren vier Personen: Marco Parrillo, Ingo Steiner aus der Software-Entwicklung, mein Kollege Patrick Schmitt aus dem Produktmanagement und ich. Wenn ich jedoch alle berücksichtige, die intern und extern in irgendeiner Weise am Relaunch mitgearbeitet haben, komme ich auf fast 20 Personen.

Was ist ganz anders gelaufen als geplant?
Björn: Nichts. Alles war wie geplant.

Du gibst an.
Björn: Nein. Natürlich gab es Probleme und wird auch nach dem Launch noch welche geben – aber es war nichts Überraschendes dabei.

Wie kann das sein?
Björn: Unsere Vorbereitung war sehr intensiv. Wir hatten die Struktur klar im Kopf und haben auf Basis der ersten Beschriebe die grafischen Entwürfe machen lassen – und an die wiederum dann die Beschriebe angepasst. Diese haben wir Woche für Woche an die Entwickler gegeben.

Wer hat die Entwicklung und die Grafik übernommen?
Björn: Die Entwicklung kam von digitalmobil, ebenfalls ein Unternehmen der Neuen Mediengesellschaft Ulm, das im gleichen Haus sitzt wie wir. Die Grafik ist unter der Leitung von Art Directorin Maria-Luise Sailer ebenfalls intern entstanden.

Was ist der größte Fehler, dem man bei einem Relaunch machen kann?
Björn: Zu viele Köche den Brei verderben lassen. Natürlich muss man versuchen, alle Parteien einzubinden. Aber manchmal muss man die Leute vor vollendete Tatsachen stellen. Nur so funktioniert‘s.

Hast du dir dabei Feinde gemacht?
Björn: Ich glaube nicht. Da hab ich schon genug Fingerspitzengefühl.

Sehe ich auch so. Wenn das alles so toll gelaufen ist: Was kommt als nächstes?
Björn: Ganz weit oben auf unserer Liste steht eine für Smartphones optimierte Webseite, denn auf Tablets sieht unsere neue Seite auch schon klasse aus und der Newsletter ist ja schon seit Mai 2013 an mobile Endgeräte angepasst. Zudem wollen wir einen geschlossenen Bereich einführen, eine Community, über die auch Abos und Event-Tickets verkauft werden können. Und einen Veranstaltungskalender.

Das war’s eigentlich. Moment, eins noch: Wie viel Stunden hast du die Nacht vor dem Relaunch geschlafen?
Björn: Sieben Stunden.

Das geht.
Björn: Finde ich auch.

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