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Freitag, 8. April 2011

Social Media und SEO: Gefühle bei Google und Spam auf Facebook

Social-Media-Marketing hat seine Nische verlassen. Nicht nur, weil immer mehr Menschen Social-Media-Konferenzen besuchen und sich die Chefs von ihren Kindern erklären lassen (müssen), was Facebook ist. Sondern weil sich die Suchmaschinenoptimierer mit dem Thema beschäftigen.

Im vergangenen Jahr war auf der Fachkonferenz SMX in München der Super-Affiliate Bob Rains der einzige, der über soziale Netzwerke sprach - er erklärte, wie er Facebook-Profile für Rennpferde anlegte und deren Freunde auf Wettseiten weiterleitete.

Dieses Jahr hielt Rand Fishkin die Eröffnungsrede. "Die Bedeutung von Social Media in der Suchmaschinenoptimierung ist erschreckend hoch", sagte der SEOmoz-Gründer am Dienstag in München. Google werte das Teilen eines Links mit Facebook-Freunden als wichtiges Signal, wenn es die Reihenfolge der Suchergebnisse berechne.

Maile Ohye von Google bestätigte dies: "Signale aus sozialen Netzwerken sind sinnvoll im Ranking. Wenn die Nutzer Social Media einen so großen Raum in ihrem Leben einräumen, wollen wir das auch tun."

Microsofts Suchmaschine Bing geht einen ähnlichen Weg. Director Stefan Weitz rät Webseitenbetreibern deshalb, dafür zu sorgen, dass ihre Themen auch im Social Web thematisiert werden. Durch persönliche Empfehlungen könnten es Seiten, die sonst auf einer der hinteren Ergebnisseiten gelistet werden, auf die vorderen Plätze der Suche schaffen. "Emotionale Entscheidungen sind genauso wichtig wie rationale", betonte er.

Was heißt das für die Zukunft? Dass die Suche jetzt auch Gefühle mit einbezieht? Nur, wenn man davon ausgeht, dass ein Link, den wir auf Facebook teilen, uns emotional berührt hat. Und der Klick auf den "Gefällt-mir"-Button die Entsprechung eines positiven Gedankens ist.

Was bedeutet es für Social Media? In erster Linie, dass die besten SEOs und Affiliates nach Wegen suchen, soziale Netzwerke für ihre Zwecke zu einzusetzen. Wir werden also mehr Spam sehen. Und vielleicht auch mehr Rennpferde mit Facebook-Profilen.

Samstag, 29. Januar 2011

Schlafen oder online sein

Die vergangenen Jahre war es ja die Spezialität von Yahoo, als jene Manager als Redner zu Kongressen zu schicken, die zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Absprung waren. Auf der diesjährigen DLD Conference in München hat das Google geschafft: Eric Schmidt hat das große Finale gehalten, das auch noch genau so hieß, nämlich "Grand Final". Wie passend für einen Mann, der wenige Tage zuvor mit dem Satz "Tägliche Aufsicht durch Erwachsene nicht mehr nötig" seinen Rückzug vom CEO-Posten erklärt hatte.

Sein Thema war die kommende Dekade: "Alles ändert sich wieder", so Schmidt. Ein Satz, den ich vor allem aus der Werbung für Apples iPhone 4 kenne. "Technologie wird endlich uns dienen. In meiner Karriere habe bislang immer ich der Technik gedient. Jetzt macht die Technik, was wir wollen - und darin liegt viel Freude. Computer helfen uns, mit unseren Freunden zu sein."

"Das Smartphone ist das Gerät unserer Zeit", erklärte der Google-Chef. "Kinder haben nur noch zwei Zustände - sie schlafen, oder sie sind online." In zwei Jahren würden die Absatzzahlen von Smartphones die von PCs überholen. Schon bald gingen mehr Menschen über Mobilgeräte online als über Computer. "Was auch immer clevere Start-ups machen: Sie machen mobile zuerst." Geräte, die sich nicht mit anderen verknüpfen ließen, seien in Zukunft nicht mehr interessant.

Bereits 1990 hätte Bill Gates über diese Vernetzung von Geräten Software und Cloud Computing gesprochen. "Jetzt endlich hat die Technologie die Vision und das Marketing eingeholt."

Hier Schmidts Rede auf der DLD Conference am Dienstag:

Wie Google 20 Prozent Einsatz in 50 Prozent Ergebnis umwandelt

Mit der Innovation ist das ja immer eine Sache. Theoretisch findet sie jeder toll, Menschen wie Unternehmen. Wobei es unter den Menschen dann doch immer viele gibt, die sich lieber an Bewährtes halten statt Neues auszuprobieren. (Ich habe - zur Verblüffung vieler - auch immer noch mein altes Handy.)

Unter den Firmen ist es nicht viel anders. Eine Freundin von mir wurde zu ihrem Chef zitiert, nachdem sie Verbesserungen vorgeschlagen hatten. Statt Lob gab's Vorwürfe: Sie brächte Unruhe ins Unternehmen.

Besonders interessant fand ich daher auf der DLD Conference die Diskussion mit Marissa Mayer, die als Vizepräsidentin von Google für die Produktentwicklung zuständig ist. Mayer war eigentlich für das Thema "Local Markets" vorgesehen, wollte dann jedoch früher nach Davos düsen, und sprach so über "Open Innovation".

Wie fördert Google Innovationen? Jeder Mitarbeiter stünde in der Verantwortung, etwas Neues zu erfinden, so Mayer, deshalb könne auch jeder 20 Prozent seiner Arbeitszeit in eigene Projekte investieren.

Lohnt sich das für Unternehmen? Auf jeden Fall: Erstens fällt die Projektzeit noch zusätzlich zur Wochenarbeitszeit an: "Viele unserer Mitarbeiter geben 120 Prozent, da sie sich leidenschaftlich engagieren", sagte die 35-Jährige, die selbst auch bestimmt keine 40-Stunden-Woche pflegt. Zweitens kann sich das Ergebnis sehen lassen: Die Hälfte der neuen Produkte entstehen aus privaten Projekten." Eine enorme Quote, selbst wenn natürlich nicht alle zum Erfolg werden. Und drittens ist eine solche Möglichkeit das perfekte Marketing, wenn es darum geht, talentierte Mitarbeiter zu finden.

Wenn die Ergebnisse so ermutigend sind, warum setzen nur so wenige Unternehmen ein ähnliches Modell ein? Nur in wenigen Firmen lässt die Personalsituation es zu, während der Arbeitszeit eigene Projekte zu verwirklichen. Das ist wahr, dennoch halte ich dieses Argument für vorgeschoben. Ich denke, viele Manager tendieren noch immer dazu, ihre eigenen Ideen verwirklichen zu wollen - und nicht die ihrer Mitarbeiter. Diese Verschwendung muss man sich erst einmal leisten können.

Hier ein Mitschnitt der Diskussion:

Donnerstag, 11. November 2010

Ein Prozent Marktanteil und plus 1450 Prozent bis 2012

Google sammelt unvorstellbar viele Daten – und ab und zu gibt der Internetkonzern auch welche raus (wenn auch nicht mehr an Facebook, siehe ...). und zwar nicht nur die Unternehmenskennzahlen, zu denen die Aktiengesellschaft verpflichtet ist.

Business Map: 21 Länder, 21 Chancen heißt das Dokument, in dem der Google Märkte vorstellt, in denen sich ein Engagement für Internetfirmen lohnen könnte. Die Auswahl erscheint zwar ein bisschen willkürlich – Italien ist ebenso dabei wie Saudi-Arabien oder China – die Daten sind dennoch spannend.

Genannt werden Zahlen zum Werbemarkt und dem Anteil der Onlinewerbung, den beliebtesten Webseiten, dem Wachstum der Suchanfragen, und den Kategorien und Suchbegriffen, die im August 2010 am stärksten zulegen konnten.

Den Prognosen zufolge wird sich das Onlinewerbevolumen im Nahen Osten am spektakulärsten entwickeln:

Ägypten - plus 1450 Prozent auf 31 Milliarden US-Dollar im Jahr 20102
Saudi-Arabien - plus 1200 Prozent auf 39 Milliarden US-Dollar im Jahr 20102
In beiden Ländern lag der Anteil des Onlinemarketings an der Gesamtwerbung im Mai diesen Jahres bei einem Prozent. Doch wer nun denkt, ein Anteil von nur einem Prozent garantiere exorbitant hohe Wachstumsraten, ist in Kroatien falsch: Dort wird die Steigerung bis zum übernächsten Jahr auf 54 geschätzt – das ist der zweit niedrigste Wert hinter Bulgarien mit einem prognostizierten Wachstum von vier Prozent. (Vielleicht kann mir jemand erklären, was da los ist?)

In allen europäischen Ländern liegt Facebook auf Platz eins oder zwei der Webseiten mit den meisten Besuchern. Hier stellt Polen die einzige Ausnahme dar, hier ist das soziale Netzwerk unter den am stärksten angestiegenen Suchbegriffen der vergangenen zwölf Monate. Nicht so beliebt ist Facebook in den Ländern der ehemaligen Sowietunion. Dass die Chinesen ihr eigenes Netzwerk Sina nutzen, ist keine Überraschung: In China ist Facebook gesperrt.

Wie sich die Sperrung vieler Webseiten, die die Regierung als unerwünscht einstuft, auf die Onlinenutzung auswirkt, zeigen die Suchbegriffe mit dem größten Anstieg: Während diese Topsuchen in den meisten Ländern aus unterschiedlichen Interessengebieten stammen, ist die Linie in China einheitlich: Sie stammen ausnahmslos aus dem Gamingbereich. Da viele Chinesen keinen eigenen Rechner haben, können sie nur in Internetcafés online gehen und müssen sich dort mit ihrem Ausweis anmelden. Bedenkt man, wie leicht Blogger dort im Gefängnis landen, ist der Besuch von Gamingseiten mit Sicherheit die bessere Wahl.

Sonntag, 19. September 2010

Kampf der Giganten

Eines der Highlights der dmexco Conference war der Auftritt von Facebooks Europachefin Joana Shields. Und zwar nicht nur wegen dem schönen Zitat "Marketing war früher wie ein One-Night-Stand", sondern vor allem wegen ihrem hübsch verpacktem Angriff auf Google:

"Die vergangene Dekade war die der Suche. Diese Dekade gehört den Social Media."

Lese: Google ist gestrig, Facebook ist die Zukunft.

Am nächsten Morgen hatte ich einen Interviewtermin mit Stefan Tweraser, dem Chef von Google Deutschland. Und den hab ich natürlich gleich darauf angesprochen. Hier seine lässige Reaktion:



Dienstag, 19. Januar 2010

Google droht - und was sagen die Chinesen dazu?




Ein Hackerangriff - und schon droht Google mit dem Rückzug aus China. Und zwar wegen Zensur und Menschenrechte und so. Da das für den Internetkonzern, ebenso wie Yahoo und andere, bislang kein Argument gegen Geschäfte in China war, wird spekuliert.

Kaum ein Thema war in den westlichen Medien bisher, wie die Chinesen den möglichen Rückzug beurteilen.

Liu Hongbo sieht China über Google und MSN mit dem Rest der Welt verknüpft:

"Whether we’re talking about MSN or Google, these are not just services but forms of culture. They represent the online lives of many people, and they have helped to build many people’s conceptions about the Web. Their existence in China does not just serve to provide competition for Chinese players. As important Internet brands, they demonstrate the Chinese Internet’s connectedness to the global Internet."

Der Chefdesigner der chinesischen Suchmaschine Baidu wirft Google Unehrlichkeit vor:

"The tone of the top Google legal advisor disgusts me. He could have said that they are withdrawing for economic reasons, plain and simple. Instead, they have to make themselves look good by saying that Google was attacked by Chinese people, that Gmail accounts of Chinese dissidents were attacked, and so on in order to explain why they are withdrawing from China. This type of tone is an insult to the intelligence of the ordinary Chinese citizens. But it may just appeal to certain supercilious westerners who have never been to China, know nothing whatsoever about China but like to criticize China all the same.

I will simply offer one hypothesis. If Google holds a 80% share of the search engine market in China, will the Google senior managers announce that they will withdraw from China because they "do no evil" in such a high profile manner. The only feeling that I got out of the whole affair is disgust."


"It is unlikely that they will go through with this. If they go through with it, it will be their loss... I personally think that this is merely psychological warfare. For the global Internet industry, a huge part of the market would be missing without China. The future development of the Internet is towards 3G with many services. It will be a huge blow to Google's global strategy if it did not have the China market. In the long term, it will have problems with its mobile phones, mobile operating systems and related services.More importantly, will the Chinese government departments come under pressure if Google withdraws from the China market? Not a single government department will be held responsible or come under pressure if Google withdraws."

Jiang Baijing sieht China ohnehin in der stärkeren Position:

"If Google really withdraws, they will lose the China market. Can they bear it? I don't think that a big multi-national company can really abandon the largest market with infinite growth potential. Will Coca Cola leave China? No. Will Pepsi Cola leave China? No. Will Microsoft give up the China market? No. Would Google be the only one to give up? I don't think so."

P.S.: Im Zusammenhang mit der internetworld.de-Berichterstattung ist mir was Witziges passiert. Normalerweise behaupten Journalisten, dass zensiert wird, und die Gegenseite widerspricht. In diesem Fall war es genau andersherum. Nachdem via Twitter User aus China bestätigt hatten, unter der Bildersuche "tianamen" Fotos von Panzern angezeigt zu bekommen, hatte ich gemeldet, dass Google.cn offenbar unzensierte Ergebnisse anzeige. Kurz darauf hatte ich Google-Sprecher Kai Oberbeck am Telefon, der darauf bestand, dass das Unternehmen weiterhin zensiere. Die Auflösung lag in der Transkription der chinesischen Schriftzeichen:
"tianamen" > Bilder von der Niederschlagung des Aufstands
"tiananmen" > hübsche Bilder vom Platz