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Samstag, 21. Januar 2012

Mobile schlägt Print


Ich bin immer wieder verblüfft, dass die Medien, die so viel über sich und über die Zukunft berichten, daraus keine Schlüsse für ihr eigenes Geschäft ziehen - denn die Medienhäuser mit einem schlüssigen, oder gar rentablen Online- und Mobilekonzept sind immer noch in der Minderheit. Und selbst die Firmen, deren Internetgeschäft schwarze Zahlen schreibt, schaffen dies in der Regel nur, weil Mitarbeiter überbeschäftigt oder unterbezahlt sind. Oder sie sind zusätzlich im E-Commerce aktiv und packen die Einnahmen aus diesem Bereich unter Digitalgeschäft, damit die Verluste aus dem Online-Mediengeschäft nicht weiter auffallen.

Folgende Grafik von Statista müsste den Verantwortlichen und ihren Angestellten kalte Schauer über den Rücken jagen: Im vergangenen Jahr haben die US-Amerikaner erstmals mehr Zeit mit der Mediennutzung über Mobilgeräte als mit Zeitungen und Zeitschriften zusammen verbracht. Gefragt wurde dabei nicht etwa halbwüchsige Mobilekids, sondern Erwachsene:




Welche Konsequenzen ziehen die deutschen Medienhäuser daraus? Noch keine. Von den zehn Branchen mit den höchsten Werbeausgaben teilen sich die Medien mit der Gesundheits- und Pharmabranche den letzten Platz: Lediglich 3,5 Prozent ihres Werbebudgets fließen ins Internet. Darin zeigt sich nicht nur konservative Investitionsbereitschaft, sondern auch die Ignoranz einer Branche, die die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt hat.


Dienstag, 12. Januar 2010

AOL - die Geschichte einer Meldung

Klar, dass wir gestern sehr ein bisschen stolz waren, dass wir die - traurige - Nachricht, dass AOL sein Deutschlandgeschäft schließt, als erste berichten konnten. Und das kam so: Die INTERNET WORLD Business erhält um 14:56 Uhr einen anonymen Hinweis über das Kontaktformular:

"Betriebesniederlegung von AOL Europa mit Aussnahme von UK // 50% Entlassungen in in UK // 30% Entlassungen in AOL."

Zudem war ein für gestern Morgen geplantes Gespräch mit AOL-Deutschlandchefin Marianne Stroehmann verschoben worden. Stroehmann war erst Anfang Dezember zur Geschäftsführerin befördert worden, bis dahin hatte sie die Werbesparte AOL Advertising geleitet. Was mich daran gewundert hat: Dass der Aufstieg in aller Stille geschah, ohne Pressemeldung, ohne Interviews. Nur ein geändertes Xing-Profil zeigte die neue Position an.

Dann geht alles ganz schnell. Ich erreiche Thomas Knorpp, einen extrem netten und kompetenten Kollegen, der bei AOL Deutschland die Unternehmenskommunikation leitet, um 15:24 Uhr, er ist in Deutschland statt in London, von wo aus er sonst arbeitet. Er verspricht, sofort eine Mail zu schicken - eine Minute später habe ich sie vorliegen. Hier ein Auszug:

"Heute geben wir bekannt, dass am Mittwoch, den 13. Januar, in den USA mehr als 500 Mitarbeiter entlassen werden. Außerdem werden unsere Büros in Dallas und Seattle geschlossen. Wie sich die Umstrukturierung auf unsere Geschäfte außerhalb den USA auswirkt, variiert von Land zu Land und unterliegt den lokalen Gesetzen. In Europa haben wir in den meisten der 11 Länder, in denen wir vertreten sind, mit dem Beratungsprozess mit den Betriebsräten begonnen. Es wurden Mitarbeiterversammlungen einberufen und die Folgen der Umstrukturierung kommuniziert. Wir haben auch die Schließung von Büros in Deutschland, Spanien und Schweden bekanntgegeben.
In Deutschland werden wir unsere Büros in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München schließen. Der Betriebsrat wurde heute (Jan. 11) informiert, um den Konsultationsprozess zu beginnen. ADTECH ist von diesen Maßnahmen nicht betroffen und wird weiter ausgebaut. AOL verabschiedet sich nach 15 Jahren als top 5 AGOF Player aus dem deutschen Online Markt."

Während ich die Meldung schreibe, legt mein Onlinekollege David Henning den Sondernewsletter an, ich veröffentliche eine erste Kurzversion auf internetworld.de, damit David den Teaser in die Mail ziehen kann, er sendet um 15:46 Uhr einen Test, ich baue die Meldung aus, Björn Adrian (Produktmanagement, sitzt gegenüber) wirft noch einmal einen kritischen Blick auf den Newsletter und David schickt ihn raus. Den Newsletter, meine ich. Eine eingespielte Vorgehensweise.

Und dann sehen wir dabei zu, wie sich die Nachricht über Twitter und Google News verbreitet. Horizont ist der nächste, beruft sich jedoch noch auf unbestätigte Gerüchte, dann folgen FAZ und Spiegel.de, später springen die Nachrichtenagenturen auf, und während ich jetzt - 17 Stunden später - beim Frühstück sitze, kommt die Meldung im Radio.

Das Ende einer Ära.